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Am 16.08.2018* von QVINTVS:
Erfahrungsbericht vom Perlenofenprojekt im Pfahlbaumuseum Unteruhldingen
Michelle Rossa, MA
Marion Seel
Frank Wiesenberg, BAKöln, den 16.08.2018
Kurzbericht zum Bau und Schau-Betrieb zweier holzbefeuerter Lehmöfen zur Wickelglasperlen-Herstellung
im Rahmen des Projektes
European Cultural Heritage Year 2018 — Sharing Heritage — Experimentelle Archäologie in Europa“Nach Ankunft in Unteruhldingen und Anmeldung im Pfahlbaumuseum am Sonntagnachmittag (29. Juli 2018) wurde am folgenden Montag sofort in voller Besetzung von drei Personen mit dem Bau des ersten Perlenofens an der zugewiesenen Stelle im Aktionsbereich des Museums begonnen. In Absprache mit der Museumsleitung sollte zunächst ein „mobiler“ Perlenofen auf einer mitgebrachten Schamottplatte mit passend angefertigtem Stahlrahmen entstehen, danach ein weiterer Perlenofen ortsfest direkt neben dem Kupferverhüttungsofen. Beide Bauplätze lagen gut witterungsgeschützt unter Schutzdächern, sodass trotz des strahlenden Sonnenscheins ein Bau schnell durchführbar war.
Schon am Montag (1. August 2018) konnte der Bau des ersten Perlenofens einschließlich des Kragens zum Abkühlen der Glasperlen abgeschlossen werden. Zur Vermeidung starker Rissbildung erfolgte das erste Ausbrennen am nächsten Tag. Ebenfalls am Montag wurde mit dem Bau des zweiten, ortsfesten Perlenofens begonnen, der parallel zum Ausheizen des ersten Perlenofens bereits am Dienstag fertiggestellt werden konnte.
Die Bauphase der Öfen fiel deutlich kürzer aus als ursprünglich veranschlagt. Ursächlich hierfür war neben der trocken-heißen Witterung auch die wider Erwarten bereits gute und fast verarbeitungsfähige Qualität des mitgebrachten Lehms. Obwohl eigentlich zu trocken gestochen, reichte der Anreisetag zum Wässern des Lehms. Zusätzlich enthielt er vergleichsweise wenig Steine und Wurzelwerk, die aus diesem herausgeknetet werden mussten. So konnten schon ab dem zweiten Projekttag die Öfen abwechselnd in Betrieb genommen werden.
Die holzbefeuerten Öfen erreichten jeweils schon am ersten Betriebstag ohne jeglichen Gebläseeinsatz die zum Perlenwickeln erforderliche Temperatur von mindestens 850 °C. Die ideale Arbeitstemperatur lag zwischen 870 °C und 900 °C, als Höchsttemperatur wurde 925 °C gemessen. Obwohl die beiden Öfen sich in ihren Abmessungen etwas unterscheiden, waren keine signifikanten Unterschiede bezüglich der Temperaturen und des Holzverbrauchs wahrnehmbar.
Der dem mobilen Ofen angefügte Lehmkragen gewährleistete das langsame Abkühlen der gerade gefertigten Perlen, was beim ortsfesten Ofen eine separate Tempermöglichkeit, z.B. mittels Vermiculit, erforderlich machte. Allerdings waren die Glasperlen dem Lehmkragen erst nach Ende des Arbeitstages sicher entnehmbar. Das Arbeiten mit einem separaten Tempermittel war ungleich flexibler, da die frisch gefertigten Perlen schon nach etwa einer Stunde unter den Besuchern herumgereicht werden konnten.
Anstatt wie ursprünglich geplant erst am Mittwoch oder Donnerstag, waren bereits am Dienstagmittag erste Vorführungen der Glasperlenherstellung für das Publikum möglich. Ein Schwerpunkt der Vorführungen lag stets auf den sogenannten Pfahlbautönnchen, wie im Museum ausgestellt. Da der Bau des zweiten Ofens schon im Laufe des Dienstags abgeschlossen werden konnte, lag der Fokus der Vorführungen am Mittwoch (2. August 2018) auf diesem ortsfesten Ofen.
In Absprache mit der Museumsleitung gab es bei dem Themenbereich Glas aus Sicherheitsgründen kein „Mitmachprogramm“ für die Besucher, sondern moderierte Vorführungen der Glasverarbeitung am Ofen. Hierbei wurde nach den zielgruppenorientiert gehaltenen grundsätzlichen Erläuterungen auf die individuellen Fragen der Besucher eingegangen.
Die Besucher zeigten großes Interesse an den Glasperlen-Vorführungen und stellten angeregt Fragen zum Arbeitsablauf und dem Bau der Öfen. Besonders positiv wurde die Möglichkeit angenommen, Gestaltungs- und Farbvorschläge für die Perlen einzubringen und den Entstehungsprozess somit zu beeinflussen. Ein gesondertes Interesse galt der Partizipation, dem Erreichen der hohen Temperaturen mit Hilfe des kleinen Lehmofens sowie der Frage nach der Möglichkeit, die vor Ort produzierten Perlen käuflich zu erwerben, worauf unsererseits auf das Sortiment des Museumsshops verwiesen wurde. Der Austausch mit den Besuchern war durchweg positiv, vielfältig und aus unserer Sicht für beide Seiten sehr bereichernd.
Die Durchführung des Projekts mit zwei bis drei Personen (drei Personen während der Bauphase samt Ausbrennen/Probebetrieb, zwei Personen bei der anschließenden Betriebs-/Vorführungsphase) gewährleistete, dass (bis auf die Mittagspause am Montag) die Station im Museum während der Öffnungszeiten stets besetzt war. Darüber hinaus konnte eine von den zwei Personen intensiv in den Dialog mit den Besuchern treten und die Vorführungen erläutern, während die andere Person konzentriert an/in der Flamme arbeitete. Ein Perlenofenprojekt mit nur einer Person durchzuführen halten wir nicht für sinnvoll.
Die Betreuung seitens der Museumsverwaltung und –Mitarbeiter war vorbildlich. Neben der organisatorischen Unterstützung ist insbesondere die Versorgung mit Brennholz und Trinkwasser hervorzuheben. Bei den heißen Tagen und der dann noch heißeren Arbeit an den Öfen kam gerade Letzterem besondere Bedeutung zu.
Am 2.08.2018* von QVINTVS:
Perlenofenbau im Pfahlbaumuseum UnteruhldingenMit zwei Studienkolleginnen durfte ich im Pfahlbaumuseum Unteruhldinden direkt am Bodensee zwei holzbefeuerte Perlenöfen bauen und betreiben. Das Ganze war Teil des Projektes "European Cultural Heritage Year 2018 - Sharing Heritage - Experimentelle Archäologie in Europa". Mit sechs Händen ging der der Bau eines ortsfesten und eines mobilen Perlenofens sehr schnell vonstatten.
Da wir nur wähernd der Öffnungszeit des Museums arbeiten konnten bzw. durften, blieb recht viel Freizeit, die wir in der tollen Landschaft direkt am Bodensee bei richtig gutem Sommerwetter genießen konnten!
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